Der „Small Dance“ (=kleine Tanz), Der Stand

Der „Small Dance“ (=kleine Tanz), Der Stand

von Steve Paxton

Diese Notizen wurden im Februar 1977 im Rahmen der Unterrichts-/Performance-Tour zur Kontaktimprovisation der ReUnion an der Westküste gemacht. Während der Tour übertrugen die Mitglieder der ReUnion von 1977 (Nita Little, Lisa Nelson, Steve Paxton, Curt Siddall, Nancy Stark Smith und David Woodberry) den Unterricht der jeweils anderen in Schriftform – so weit wie möglich dem gesprochenen Wort entsprechend. Im Folgenden sind Abschnitte aus verschiedenen Unterrichtseinheiten, die Steve gegeben hat, zusammen gestellt. [Contact Quarterly Editors]

Der Text sollte langsam wiedergegeben werden, mit Pausen zwischen den einzelnen Sätzen. [Steve Paxton]

DER „SMALL DANCE“ (=KLEINE TANZ), DER STAND

Entspanne dich bis tief in die Sockel der Augenhöhlen hinab. Stelle dir eine Linie vor, die zwischen den Ohren verläuft. Darauf ruht der Schädel. Mache eine Bewegung, ganz klein, wie „Ja“. Dies bewegt den Schädel auf dem obersten Halswirbel, dem Atlaswirbel. Du musst die Knochen intuitiv wahrnehmen. So wie einen Donut. Die Empfindung darum herum definiert ihn. Mache eine Bewegung wie „Nein“. Zwischen diesen beiden Bewegungen kannst du die Länge der Wirbel bestimmen.

…Aufblähen der Lungen. Atme vom tiefsten Punkt der Lunge hoch bis zum Schlüsselbein. Kannst du die Rippen mit Leichtigkeit nach außen und oben und wieder zurück ausdehnen? Das Zwerchfell in Bezug auf die Empfindung definieren. Tiefster Punkt der Lunge. Zwei Muskelkuppeln. So massierst du mit jedem Atemzug die Gedärme… Was das Zwerchfell tut ist ein Signal für den restlichen Körper. Der Himmel oben, die Erde unten…

Der Kopf ist bei dieser Arbeit ein Gliedmaß. Er hat Gewicht. Gewicht mag die einzige Empfindung von Bedeutung sein. Das Gefühl von Schwerkraft. Gewicht und Schwerkraft weiter wahrnehmen während du stehst. Anspannung der Muskeln verdeckt die Empfindung von Schwerkraft…

Du schwimmst in Schwerkraft seit dem Tag an dem du geboren wurdest. Jede Zelle weiß wo unten ist. Leicht zu vergessen. Dein Gewicht und das Gewicht der Erde rufen sich gegenseitig…

…Aufwärts gerichtete Kraft der Knochen. Die Schulterblätter fallen den Rücken hinunter, die Därme in die Beckenschale entspannend… In die Richtung, in die die Arme hängen, ohne diese Richtung zu ändern, mache die kleinste Dehnung, die du fühlen kannst. Kann sie noch kleiner sein? Kannst du weniger tun? Die Initiierung der Dehnung, der Länge der Knochen entlang, in die Richtung, in die die Kraft ohnehin schon geht. Der kleine Tanz – du entspannst dich und es hält dich aufrecht. Die Muskeln halten das Gewicht durch das ganze Skelett hindurch. Das Gewicht von einem Bein zum anderen Bein verlagern, Berührungsfläche, Gewicht übernehmen, Kompression. Der Linie der Kompression entlang dehnen. Zentrum des kleinen Tanzes.

Aufrechte Position… Wirbelsäule gerade… Fühle den tiefsten Punkt der Lunge, das Zwerchfell, fühle wie es die Organe massiert, hinunter in die Beckenschale, entspanne deine Genitalien und deinen Anus… atme tief… atme langsam aus… fühle die Pause am Ende der Ausatmung… halte nach dem Beginn der Einatmung Ausschau… Dieses Ding, Zeit… voller Eile und Pause… Fühle die Zeit vorüber ziehen durch deine Atmung… initiiere die Atmung nicht… beobachte nur diesen Zeitraum… versuche dein Wahrnehmen einzufangen, genau den Moment, in dem die Einatmung wieder beginnt…

Stehend… Entspanne aufrecht mit dem Gewicht auf der hinteren Hälfte des Knies, gebe etwas Gewicht auf die Fußballen… Entspanne die Kopfhaut… Entspanne die Augenlider… Entspanne hinter den Augen… bis tief in die Sockel der Augenhöhlen hinab… verwende keine Energie darauf zu blockieren oder zu fokussieren… lass deine Ideen fließen… da bestimmte Dinge andere Dinge verbergen… und hierfür es ist jetzt besser sich nicht zu konzentrieren… fühle das Spiel von Eile und Pause des kleinen Tanzes, das dich aufrecht hält, wenn du entspannst… einfach nur durch Gewicht und Gleichgewicht… 60 % auf dem Fußballen, etwas auf den Zehen, der Rest Rücken… die Knie ein wenig entspannt… Lass deine Atmung deinen Rumpf führen, dich symmetrisch machen… lasse deine Rippen geöffnet für das Aufblähen der Lungen… Arme fallen seitlich… Fühle den kleinen Tanz… er ist immer da… denke an die Ausrichtung der Knochen, Gliedmaße, zum Zentrum der Erde hin gerichtet… Länge der Knochen…

…Verlagere dein Gewicht über dein linkes Bein… was ist der Unterschied… im Oberschenkel, im Hüftgelenk… Diese Empfindung „Kompression“ nennend, verlagere die Kompression über dein rechtes Bein, fühle die Veränderung… Kompression der Länge des Knochens entlang hinab… Bringe deinen Körper in die neutrale Position… Lehne nach vorne… Kompression in der Vorderseite, Dehnung im Rücken… Zurück zu neutral… Lehne dich nach hinten, Dehnung in der Vorderseite, Kompression im Rücken… habe keine Kompression in den Armen, dort ist kein Gewicht… Lehne wieder nach vorne… fühle den Unterschied… entspanne dich… neutral… lehne dich nach hinten, Dehnung der Länge deines Körpers entlang… neutral … dehne dich nach oben… lass die Wirbelsäule sich durch die Schultern hindurch aufrichten… lass den Kopf auf einer Linie zwischen den Ohren unterstützt sein… mache die Bewegung für „Ja“… wiege den Kopf… den Atlaswirbel… stelle eine Dehnungsverbindung her, eine lange Dehnungslinie zwischen dem Fußballen und dem Atlaswirbel, zwischen den Zehen, vom Fußballen über das Bein zur Wirbelsäule, zum Atlaswirbel… Du fällst in die Schwerkraft, seit dem Tag an dem du geboren wurdest…

Stelle dir vor, aber tue es nicht, stelle dir vor, dass du mit deinem linken Fuß einen Schritt nach vorne gehen wirst. Was ist der Unterschied? Zurück zum Stehen…

Stelle dir vor, aber tue es nicht, stelle dir vor, dass du mit deinem linken Fuß einen Schritt nach vorne tun wirst. Was ist der Unterschied? Zurück zum Stehen…

Stelle dir vor, aber tue es nicht, stelle dir vor, dass du mit deinem rechten Fuß einen Schritt nach vorne gehen wirst… dein linker Fuß… dein rechter… dein linker, rechter, linker… Stehen.

… Langsam lasse deinen Körper in eine Hockstellung zusammen fallen… löse in einen freiwilligen Fall auf. Atme, mit den Händen auf dem Boden hockend, Hals entspannt… schau, ob du in dieser Position entspannen kannst… und komme hoch. [Ende]

 

Übersetzung: Caro Straub

Quelle: Contact Quarterly
https://contactquarterly.com

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